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Christian Krumm und Holger Schmenk (“Kumpels in Kutten”): “Ich habe mich schon immer gefragt, warum kommen so viele bekannte und gute Bands aus dem Ruhrgebiet!?”

Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Ihr habt gemeinsam die Ruhrpott-Metal-Bibel "Kumpels In Kutten" unter die Menschheit gebracht. Wo habt ihr beide euch kennengelernt?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Wir sind ehemalige Arbeitskollegen an der Uni Essen und haben uns da für zwei bis drei Jahre ein Büro geteilt. Als ich das erste Mal in das Büro kam, ist mir sofort aufgefallen, dass Holger einen IRON MAIDEN-Bildschirmschoner hatte, was ich an einer Uni relativ bemerkenswert fand und dann habe ich mich auch getraut einen zu machen. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Seid ihr also schon immer Metal-Fans? Was für Musik habt ihr selbst in den 80er Jahren gehört - auch Metal oder was komplett anderes?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Also zu der Zeit habe ich noch gar keinen Metal gehört, ich bin erst Mitte der 90er Jahre in die Szene gekommen und habe dann mit den klassischen Bands angefangen wie IRON MAIDEN, MANOWAR, PANTERA, BLIND GUARDIAN und bin dann erst später zu den Ruhrgebiet-Bands gekommen. Über RAGE dann später auch zum Thrash Metal, vor allem KREATOR höre ich nach wie vor gerne und dann eben die amerikanische Thrash-Szene wie EXODUS. Aber wie gesagt die 80er Jahre habe ich gar nicht so mitbekommen, da haben wir uns wirklich reingearbeitet, reingelesen, um so ein bisschen das Gefühl der Szene nachempfinden zu können. (Holger) Ich bin auch Anfang der 90er in die Metalszene eingestiegen, habe dann so ab 1996 zwölf Jahre Pause gemacht und erst als Holger mich gefragt hat, ob wir das Buch machen, da bin ich das erste Mal wieder so reingekommen. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Du hast dann zwölf lange Jahre gar keinen Metal gehört?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Also die Sache war so, ich hab schon weiter Metalbands gehört, aber keine Neuen. Also nur so das Typische wie BLIND GUARDIAN oder IRON MAIDEN. Davon habe ich die Alben auch immer noch gekauft, aber ich war überhaupt nicht mehr in der Szene drin. Ich habe auch nicht mehr die Magazine oder sowas gelesen, erst mit Holger ging das dann alles wieder los. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: War es schwer sich in die Zeit der frühen 80er Jahre zu versetzen oder fiel euch das relativ leicht?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Ganz leicht. Ich bin zwar später in das Thema eingestiegen, aber inzwischen bin ich fanatischer Metalfan und so ist mir das auch unheimlich leicht gefallen, mich in diese Zeit hineinzuversetzen. (Holger) Es war wirklich relativ leicht sich in die 80er reinzuversetzen, weil es im Prinzip auch keinen gibt, der das miterlebt hat und nicht unglaublich begeistert davon erzählt. Obwohl jeder zugibt, dass er sich kaum noch daran erinnern kann, weil sie damals ja so viel getrunken haben. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Gibt es große Unterschiede zwischen der Szene damals und heute...war früher wirklich alles besser?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Es ist natürlich so, dieses "Früher-War-Alles-Besser" ist eine menschliche Sache, die einem natürlich begegnet. Ich muss ganz persönlich auch gestehen, dass ich es verstehen kann, dass man diese ganze Musik, die in den 80er Jahren aufkam, gut fand. Aber ich finde es eigentlich heute schöner, weil es heute sehr viel differenzierter ist und weil es so viele verschiedene Stile gibt, so viele Varianten, so viel Kreativität und Ideen. In den 80ern war es eben so, dass es erst nur in eine Richtung ging und erst in den 90ern hat sich das alles sehr differenziert und gerade in der Zeit wird der Metal als Musik tatsächlich erst interessant. Vorher war die Faszination eher die Szene, die Leute und wie alternativ das war. Die Musik, so finde ich, ist heute interessanter als damals. (Christian) Würde ich mich anschließen, die Szene ist heute viel viel bunter und viel interessanter geworden, weil sie einfach vielseitiger ist. Ich finde es aber auch toll, dass viele der alten Bands wieder reformiert sind und dazu gibt es unheimlich viele, gute Neue. Diese Mischung ist wahnsinnig toll. Was ich aber verstehen kann ist, wenn jemand auf den ganzen Underground-Kram steht und sich nur an diese Konzerte zurückerinnert, als er SODOM vor 30 Leuten gesehen hat, das ist natürlich nicht zu übertreffen. Es ist natürlich alles auch ein wenig kommerzieller geworden, da kann ich verstehen, dass man ein bisschen nostalgisch wird, aber insgesamt können wir froh sein, dass die Szene sich weiterentwickelt hat und so wie es in den letzten fünf Jahren gelaufen ist, könnte es auch nicht besser sein. (Holger)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Werden junge Bands / Newcomer eurer Meinung nach dann heutzutage im Ruhrpott besser gefördert?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Im Ruhrgebiet ist in der Beziehung leider so gut wie gar nichts zu finden. Vielleicht PATH OF GOLCONDA, die ich recht gut finde. Ansonsten gibt es nur wenige Bands, die wirklich den Durchbruch schaffen. Hat aber auch damit zu tun, dass Metal ja heutzutage nichts Regionales mehr ist, sondern weltweit total vernetzt ist. Insgesamt werden junge Bands schon gefördert, wenn man sich die großen Plattenlabels ansieht, da passiert ja sehr viel. Merkt man ja, innerhalb von zwei Jahren werden Bands gepusht, die kannte vorher kein Mensch, aber eine Band aus dem Ruhrgebiet fällt mir gerade nicht ein. Oder? (Holger) Neee, es liegt aber auch daran, dass es einfach Szenen oder auch Länder gibt, wo die Musikszenen etwas kreativer sind - das muss man einfach sagen. Der große Vorteil des Ruhrgebietes ist einfach, dass wir ein unheimliches Ballungszentrum haben mit Medien, Konzerten, Veranstaltungen usw.. Man ist so sehr nah dran und eine Band, die aus dem Ruhrpott kommt, hat natürlich eher einmal die Gelegenheit in den hiesigen Medien präsent zu sein. Aber was die Qualität betrifft, sind meiner Meinung nach die skandinavischen Länder ein bisschen weiter vorne, weil sie kleine, aber sehr produktive Szenen haben. Es ist schon so, dass vor allem auch der Fokus der Plattenfirmen nicht mehr so auf unserer Szene liegt. Bands wie SODOM, RAGE oder GRAVE DIGGER hatten damals eben auch noch nicht diese unglaubliche Konkurrenz und Vielfalt. Das ist heute eben auch anders, es ist um einiges härter. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Holger, du hattest die Idee zu dem Buch. Wie ist es dazu gekommen? Hattest du das von langer Hand geplant so nach dem Motto "Ich wollte schon immer mal ein Buch über Metal veröffentlichen" oder ist die Idee im Suff entstanden?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Im Suff entstanden, da würden wir auf jeden Fall das Klischee erfüllen, wäre eigentlich eine schöne Geschichte - müsste man sich mal überlegen. Ich bin ja Historiker und habe zu der Zeit auch noch viel geforscht. Meine Veranlagung ist eben, mich für Dinge aus der Vergangenheit zu interessieren und ich habe mich schon immer gefragt, warum so viele bekannte und gute Bands aus dem Ruhrgebiet kommen!? Das war die Intention für das Buch und so ist die Idee entstanden. Ich hatte dann das Glück, dass der Besitzer des Verlages, der mein vorangegangenes Buch veröffentlicht hat, Metalfan ist, den habe ich dann mein Grobkonzept gezeigt, er war sofort begeistert und meinte "egal wie, mach einfach!". Er hat mir dann den Tipp gegeben noch eine zweite Person dazu zu holen und da habe ich direkt an Christian gedacht. Mit ihm habe ich dann im Suff im Helvete vereinbart, das Buch zu schreiben. (Holger)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Gab es bei den Recherchen eine Band, die euch besonders beeindruckt hat?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Bis auf SODOM und KREATOR habe ich viele Bands erst einmal neu kennenlernen müssen, weil ich sie früher nie gehört habe und ich muss sagen, eine Band, die mich wirklich beeindruckt hat, war RAGE, weil gerade Peavy ein Typ ist, der seine Band seit 25 Jahren pusht, auch mit wechselnden Stilrichtungen, aber ohne das es jemals dazu gekommen ist, dass er RAGE komplett verändert hat. Man hört immer, das ist RAGE. Sie haben außerdem 21 Alben rausgebracht, das muss man auch erst einmal schaffen, insofern fand ich sie von der Biografie her sehr beeindruckend. Ein Interview, das mich sehr beeindruckt hat, war mit Waldemar Sorychta. Ein sehr lebendiger und enthusiastischer Interviewpartner, weil im Prinzip stellt man ihm eine Frage und er hat mit dieser einen Antwort schon zehn andere Fragen beantwortet. (Christian) Bei den Bands kann ich mich nur anschließen, RAGE sind wirklich außergewöhnlich, vor allem was auch die Gitarristen betrifft - Victor Smolski und Manni Schmidt vorher. Und auch diese Kombination Klassik und Metal finde ich unfassbar gut. Das interessanteste Interview war für mich mit Bobby, der damals noch bei SODOM gespielt hat und uns fast fünf Stunden eine Anekdote nach der anderen erzählt hat, wir lagen fast unter dem Tisch vor lachen und weil er uns so abgefüllt hat. Ein unvergessliches Interview. (Holger)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Welche Reaktionen habt ihr auf "Kumpels In Kutten" bekommen?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Überwiegend waren es sehr positive Reaktionen, es gibt ein, zwei sehr vernichtende Kritiken, aber ansonsten haben wir wirklich sehr viel Anerkennung gefunden und das finde ich klasse. Ich fand es auch sehr beeindruckend, wir haben die Musiker angerufen oder eine E-Mail geschrieben, die kannten uns nicht, aber 95% haben mehr oder weniger sofort geantwortet und waren bereit ein Interview zu geben. (Holger) Was außerdem beeindruckend war, wir haben eine Buchpräsentation im Helvete in Oberhausen gemacht und da waren auch einige unserer Interviewpartner da z.B. Victor Smolski, Tom Angelripper, Peter Burtz, der ehemalige Sänger von STEELER und Ralf Hubert von MEKONG DELTA. Das war wirklich toll, dass wir so viel Unterstützung bekommen haben. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Blättert man eigentlich auch jetzt noch ab und an in seinem eigenen Buch und liest sich einige Seiten durch?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Das haben wir gestern erst festgestellt, Christian macht das. Ich hasse es aber meine eigenen Texte zu lesen, deswegen schau ich da nur rein, wenn wir unsere Lesungen haben. (Holger) Also ich mach das gerne. So ab und zu abends mal wieder gucken. (Christian)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: Habt ihr denn eine Lieblingsstelle im Buch?
Christian Krumm und Holger Schmenk
Eine meiner Lieblingsstellen ist direkt der Anfang, die Sache mit dem Denkmal für den Ruhrpott-Metal im Ruhrgebiet. Weil es einfach verheerend war und das fand ich damals auch schon, dass gerade in diesem Kulturhauptstadt-Jahr 2010 der Metal vollkommen ausgeblendet wurde. Ich meine, ganz abgesehen was dort passiert ist, aber da holen die sich die Loveparade dorthin - war ja auch vorher schon da, was rein gar nichts mit dem Ruhrgebiet zu hat und gleichzeitig ignorieren sie den Metal vollständig. Deswegen war eben die Idee, man müsste dem Heavy Metal im Ruhrgebiet ein Denkmal setzen und deswegen ist das eine meiner Lieblingsstellen. (Christian) Lieblingsstelle habe ich keine, ich finde einige Kapitel sehr schön gelungen. Ich mag auch die kritischen Kapitel, ich schreibe auch gerne kritisch über Metal und Kommerz oder Metal in den 90er Jahren, von daher kann ich gar keine Lieblingsstelle so wirklich nennen. Das Kapitel, was mir besonders am Herzen lag, war das zum Thema Rechtsradikalismus, das ist zwar nicht das Unterhaltsamste, aber mir war es ein persönliches Anliegen, dass wir da deutlich Stellung bezogen haben. (Holger)
Christian Krumm und Holger Schmenk
METAL4RUHRPOTT: So wir sind am Ende angekommen. Wir bedanken uns, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt und wünschen euch viel Erfolg für eure nächsten Veröffentlichungen!
Christian Krumm und Holger Schmenk
Wir bedanken uns! War uns eine Freude!
Christian Krumm und Holger Schmenk

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